Wir hätten es wissen müssen: Unseren neuen Season-Claim finden wir nur in einem Song: „If all of this was easy, it wouldn’t matter how it ends“.  All das Geblättere in schlauen Büchern und Rumgeklicke in fein formulierten Blogs hätten wir uns sparen können.

Denn was nützt die Liebe in Gedanken ?
Wir für unseren Teil wollen weiterhin etwas Reales, eine Alternative die man sehen und fühlen und zu der man tanzen kann.Über den letzten Monaten stand groß: „Man darf nicht nur weg wollen, man muss irgendwo hin wollen“ – und nichts daran ist falsch geworden. Denn ist es nicht der erste, der einfachste, der nächstliegendste Impuls: Komm, lass uns abhauen. Irgendwo wird es besser sein. Irgendwo werden wir besser sein.

Doch das Abhauen hat sich heimtückisch in etwas anderes verwandelt als die gute alte Hoffnung, das Beschissene um sich und in sich einfach liegen zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Denn dieses „Woanders“ gibt es nicht mehr. Diesen Ort, diese Ferne, diesen Traum haben sie uns geraubt. Der hysterische Teenager vor der Primark-Filiale in London ist unsichtbar und gnadenlos mit dem ausgebeuteten Teenager in der Primark-Fabrik in Bangladesh verbunden. Wer hier mitspielt kann nur traurig werden.
Aus „Lass uns abhauen“ wird ein schäbiges „Lass uns verschwinden“ – wir sollen uns einfach auflösen in der globalen Verwirrung, irgendwie hineinwerfen in diesen Wirbel aus Geschichten, der zu einem Strudel aus privatisierten Lügen geworden ist, mit Glanz und Glitter oben drauf und der alten, beschissenen Schwindelei:
Ich! Ich kann es schaffen! Vielleicht bin ich es!

Was wir brauchen, was wir am nötigsten haben, ist: Eine andere Erzählung, von uns selbst und von der Welt.

Was wirklich niemand mehr braucht, ist ein weiterer müder Versuch, uns diese Gefühle zu spiegeln – und sie dadurch zu klauen, sie zu einem Popsong, einem T-Shirt, einem zerknitterten Flyer oder einem knackigen Post in einer „Social-Media“-Gruppe zu verwursten. Nein danke, auf den Müllhaufen der Geschichte damit! Denn was dieses System versucht zu spiegeln, das wird zur Wahre – und damit verkommen unsere einzigartigen, komplizierten, unentdeckten, hemmungslosen, peinlichen und grandiosen Gedanken zu irgendwas, das man in einen Hashtag verwandeln oder mit einem Preisschild in ein Regal stellen kann.

Sie lauert eben überall, die verwaltete die Welt, die verkaufte Welt, die Welt „ohne Alternative“: Selbst zum „anders sein“ braucht man den richtigen Style, die richtigen Freunde und die richtigen Bands und all das gibts irgendwo zu kaufen.

Also schnell die sieben Sachen gepackt und nichts wie weg. Aber „weg“ ist kein Ort, „weg“ ist für heute nur ein Gedanke: Sich eine andere Welt vorstellen – obwohl nichts, aber auch gar nichts schwerer ist.
Wer ausbrechen will, aus der täglichen Logik von kaufen und verkaufen, vom hart sein gegen sich und gegen andere – die oder der wird da draußen anstandslos bestraft oder bestraft sich selbst.

Der übliche Holzweg, den wir schon bei ungezählten schlauen jungen Menschen mit den besten Idealen beobachten mussten: Bei irgendwas mitmachen, was nach Veränderung aussieht, was sich angepinselt hat mit „cool“ und „kompromisslos“, am Ende aber nur dieselbe parfürmierte Scheiße ist – und dann glaubt man, „anders“ ist eben auch nur Scheiße und kapituliert – dabei hat man „anders“ eben nie wirklich probiert.

Deshalb sind unsere schlimmsten Feinde diejenigen, die so tun, als wären sie auf unserer Seite.

Aus diesen Grund stehen wir als Club weiterhin entschlossen und streitlustig gegen die weitere Verwandlung von Musik, Gemeinschaft und Ekstase zu einem dummen Business. Die „Zukunft“ bleibt ein Raum der Freiheit, der Vorstellung, der Möglichkeiten, den wir zäh verteidigen gegen alles was nach Unterdrückung, Ausgrenzung und schlechter Musik klingt.

Der große Trick dieser führerlosen Maschine Kapitalismus war immer schon der: Sie läuft von selbst.

Und deswegen suchen wir etwas, das auch von selbst läuft, nur dieses mal in eine Richtung, die wir selbst bestimmen; wo es um uns geht, um uns Menschen und um uns allein. Alle Parolen von „Sei Du selbst“ bis „Geh deinen eigenen Weg“ hat schon irgendein Versicherungskonzern oder Baumarkt geklaut, daher verzichten wir drauf und überlegen lieber, wie wir hier rauskommen und wohin: Welche Bands, welche Partys sollen wir buchen, wie organisieren wir Putzen, Einkaufen, Bauen, Plakate – ohne Boss und mit so vielen verschiedenen Menschen? Wieso sind wir immer wieder von einander enttäuscht, wieso sind wir noch nicht da, wo wir sein wollen? Und wer von Euch da draußen kann uns mit irgendwas davon helfen ?

Alles ganz „normal“, alles der ganz alltägliche Kram, denkt ihr vielleicht. Genau! Denn nur, wer den Alltag erobert, erobert auch die Welt!

Die gute alte Solidarität, die wünschen wir uns – in Chemnitz ganz besonders und am liebsten unter den vielen, die Kultur und Nachtleben organisieren, statt dass sie sich in einem sinnlosen Wettbewerb, wer den coolsten Laden hat und eigentlich schon immer alles besser wusste, abfackeln.

Weiterhin werden wir uns um viele Live-Acts kümmern, die Euch die Kulturindustrie noch nicht verkaufen wollte.
Wir wissen, wie schwer das ist – wer sich dem täglichen Kampf und Krampf im „struggle to survive“ hingeben muss, will am Wochenende vielleicht nicht experimentieren und sich einfach fancy fühlen.
Aber keine Bange, wir haben einen Plan! So wie wir ohne mit der Wimper zu zucken das Bestehende annehmen, weil es eben der Ausgangspunkt für alles Neue ist, so basteln wir für Euch ein Programm, in dem man sich ganz entspannt treiben lassen und gleichzeitig die Flügel entstauben kann.

Wir sind verliebt in all die Bands und Künstler*innen die von überall her kommen und uns ihren Sound, ihre Geschichten, ihren Exzess mitbringen. Wir sind begeistert von allen Crews, die sich den Club unter den Nagel reißen und fantastisch-verschiedene Partyformate durch die Nacht und den halben Tag jagen. Besonders freuen wir uns, dass zunehmend mehr Künstlerinnen an den Gitarren und vor dem Cross-Fader stehen. Diese volle Ladung Lebenskraft, Sinnlichkeit und Leidenschaft, die klaut uns keiner und wir sagen Danke, Danke, Danke – und wenn das nächste mal eine unbekannte Band oder ein neuer Sound kommt: Traut Euch doch mal!

Denn wir trauen uns auch. Um den Club zu organisieren müssen wir alle einen Schritt gehen, immer und immer wieder. Die alten Muster, mit denen man auf Enttäuschung und Verletzung reagiert, ob durch einen schlechten Abend mit wenig Gästen oder eine schmerzhafte Achtlosigkeit im Team – die müssen wir hinter uns lassen, sie sind der Ballast, der den den Rucksack schwer macht und so hebt die Flugmaschine niemals ab sondern klebt auf dem Boden und die Besatzung schwadroniert nur über neue Motoren.

Wie war das? „Zahme Vögel singen von Freiheit – freie Vögel fliegen“.

Doch vorm Fliegen steht die Idee davon, vor der Flugmaschine kommt der Plan, vorm Abheben brauchst Du genug Fahrt am Boden. Deshalb wollen wir auch 2018/2019 schlauer werden und verstehen.
„Wer nichts weiß, glaubt den ganzen Nazi Scheiß“ – wer das Märchen vom einzig wahren Kampf aller gegen alle, vom ewigen Wachstum, von Kälte, Ego, Isolation weiter hören will, die oder der glaubt auch irgendwann, „die Ausländer“ sind an allem Schuld und dass man beim Selfie die Lippen so komisch spitzen muss um nicht irgendwann allein dazustehen.

Wir aber schleichen uns langsam davon, stecken die Köpfe zusammen, trauen uns zu fragen, was das hier alles soll, ob das richtig sein kann, wo die Alternativen sind.
Denn die kleinen Gemeinheiten und großen Katastrophen tun nicht mehr ganz so weh, wenn man weiß, woher sie kommen und dass hier jede und jeder doch nur verzweifelt versucht, sich an die beschissenen Regeln zu halten, die dafür da sind, Menschen fertig zu machen.

Also keine Angst, Kinn hoch, Augen nach vorn – und ja, Leute, es geht um was: „Wenn man nicht so lebt, wie man denkt, dann denkt man irgendwann, wie man lebt“ – auch wenn die Spielräume klein sind, füllt sie aus! Auch wenn die Hoffnung strauchelt, lauft ihr zwei Schritte nach! Und auch wenn der Moment nur sehr kurz ist, wo wir uns zum Sound der Nacht umeinander drehen wie Planeten und sich die Chance für ein echtes „Wir“, unser eigenen Sonnensystem auftut – es bleibt real und ein Vorschein des Besseren, das größer wird, je länger wir in Bewegung bleiben und den Kurs halten.

So werden wir den Kapitalismus los: Indem wir ihn irgendwann einfach nicht mehr brauchen.

Wir für unseren Teil machen immer noch nur einen Club. Das ist es, womit wir anfangen.
Aber freihändig, nichts und niemandem Untertan. Das ist besser als alles andere und das Schwierigste überhaupt.

Doch wenn all das einfach wäre, würde es keine Rolle spielen, wie es endet.

Wir sehen uns, sehr bald!

Euer Büro für zukünftige Angelegenheiten