Nichts für ungut

Da ist er also, unser Club. Yeah! Verflixt. Wie machen wir das jetzt? „Unter welchem Blickwinkel man sie auch betrachtet, die Gegenwart ist ausweglos.“ – so steht es gleich am Anfang des „Kommenden Aufstand“, dem großen, radikalen Widerstands-Rap der letzten Jahre. Irgendwie wissen wir ja, dass um uns herum (und noch viel schlimmer: in uns drin) ein einziges großes Chaos vor sich geht und so ein richtig guter Ausweg ist von der Gegenwart her betrachtet nicht in Sicht. Wie wir uns auch drehen und wenden: Irgendwie sehen wir immer das Gleiche. Wenn das also alles nicht mehr so weitergehen kann – mit uns, mit der Welt und vor allem: mit uns in der Welt – dann müssen wir uns wohl etwas ganz anderes einfallen lassen. Die Zukunft, zum Beispiel.

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 Politik

Das Orga-Team der „Zukunft“ arbeitet ehrenamtlich, basis-demokratisch und ist stets an dem gewissen Maß Entspanntheit interessiert – „links und lässig“ sozusagen. Jeden zweiten Dienstag ist „Z-Plenum“, da wird alles diskutiert und auch trefflich gestritten. Das gehört für uns dazu, denn wir sind alle sehr unterschiedlich und versuchen, dass zu unserer Stärke zu machen.

Das hier ist trotzdem erstmal und vor allem ein Club. Wir liefern jetzt keine Weltformel. Wir versuchen, ein paar Sachen anders und wenn es geht besser zu machen. Trotzdem müssen wir ja irgendwie mit dieser Realität klarkommen: Brandschutz, Lärmschutz, Polizei. Und natürlich alles, was mit dem ollen Geld zu tun hat. Wir geben uns Mühe, uns nicht in neue oder immer wieder die alten Fehler zu verstricken, jede Hilfe ist herzlich willkommen! Wir lernen noch und lernen gern (solange uns niemand erziehen will).

Die Veranstaltungen, die wir planen, sollen euch und uns und allen Spaß machen und irgendwas bringen. Entweder man wird glücklicher oder schlauer oder zumindest ordentlich hacke. Menschen, die uns an der Bar, bei der Technik, am Einlass etc. helfen, sollen bezahlt werden. Dasselbe gilt natürlich ebenso für die Künstler – Sorry, Leute, aber „Alles immer und zwar umsonst“ ist hier nicht. Die Zukunft kann nicht gestreamt werden. Entwertung von Kulturschaffenden, von Menschen und ihrer Arbeit können wir nicht mitmachen. Uns nervt am gegenwärtigen Kulturbetrieb natürlich auch, dass er zu einem reinen Business verkommen ist – das kann ja aber nicht heißen, dass Künstler für umme arbeiten sollen. (Welcome home, liebe Widersprüche!) Bands müssen auch irgendwie hierher kommen und übernachten und mal ein Mikro ausleihen und vor allem hin und wieder mal in ein Brötchen beißen dürfen.

Diskussionen am Einlass wird es deswegen keine geben. Dafür aber: Eine Einlass-Spanne. Wir schlagen vor, was ihr minimal oder maximal für die Veranstaltung ausgeben könnt – weniger geht nicht, mehr muss nicht sein (dann lieber mehr saufen!). Den Rest entscheidet ihr mal schön selber. Unser Versprechen: Wenn wir viel „Plus“ machen, spenden wir was für sinnvolle Zwecke im Sinne unserer politischen Grundausrichtung oder holen z.B. spannende Künstler her, die man in Chemnitz sonst vielleicht nicht erleben könnte.

Wir glauben übrigens nicht, dass wir damit alle Widersprüche beim Thema „Geld“ auflösen können – aber es ist unser Umgang damit.

An der Tür werden wir ein bisschen schauen, wer uns da besuchen kommt. Im Club sollen alle entspannt zugucken und zuhören, trinken und tanzen dürfen. Das kann man nicht alles so planen und kontrollieren, wollen wir auch nicht: Aber alles, was sexistisch, rassistisch oder sonstwie chauvinistisch daher kommt, wird nicht geduldet. Das werden die meisten gut finden, denn ohne Angst vor Gepöbel und dummen Sprüchen feiert es sich viel angenehmer.

Unser Programm wird anders aussehen als in anderen Läden, sonst müssten wir den hier ja nicht hochziehen. Wir sehen uns aber nicht in Konkurrenz zu irgendwem – Konkurrenz fi nden wir allgemein ziemlich dämlich, da die Menschheit eigentlich immer nur durch Ko

operation weitergekommen ist. Um Überschneidungen zu vermeiden, versuchen wir, unser Programm mit anderen Veranstaltern zu koordinieren. Damit möglichst viele Menschen Zugang zu unseren Angeboten haben, halten wir die Preise sowohl am Einlass als auch an der Bar niedrig, ohne dass es zu sehr in Richtung Selbstausbeutung geht. Sonst wehrt man sich nämlich nicht gegen Kapitalismus, sondern optimiert ihn unfreiwillig. Da das „Kompott“ uns eine super Fläche für wenig Geld zur Verfügung stellt, haben wir ziemlich viel Freiraum. (Heeeerrlich – kein Verwertungszwang, kein Szeneviertel, keine Rendite…) Habt ihr Ideen, wie man den füllen kann, was da drau- ßen fehlt, was probiert werden muss?

Einfach eMail an: zukunft@kompott.cc

Und so fort

Das haben wir uns also vorgenommen. Vielleicht fällt mal was weg, oder es kommt noch mal wer oder was dazu – ihr zum Beispiel! Hier und da wird es mal knarren oder knirschen – vielleicht ist mal kurz der Ton weg oder der Pfeffi wird knapp … wie gesagt: Wir üben! Jetzt machen wir erstmal los und bleiben schön in Bewegung. Ob uns das alles hier gelingt – das kann nun wirklich nur die Zukunft zeigen. Denn eine Sache, da sind wir uns doch wohl alle einig, ist mal vollkommen klar:

The future
is still
unwritten

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